Inhalt

Gleichstellungspolitik auf Landesebene

Gesetz zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg (Chancengleichheitsgesetz)

Am 27. Februar 2016 ist das neue Chancengleichheitsgesetz (ChancenG) in Kraft getreten. Es soll helfen, Frauen und Männer im öffentlichen Dienst tatsächlich gleichzustellen und insbesondere mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Mit dem neuen Gesetz will die Landesregierung gezielt das berufliche Weiterkommen von Frauen in der Verwaltung fördern und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf verbessern. Es löst das bisherige Chancengleichheitsgesetz aus dem Jahr 2005 ab.

Gleichstellung als kommunale Aufgabe

Abschnitt 4  des Chancengleichheitsgesetzes enthält Regelungen für Gemeinden, Stadt- und Landkreise sowie sonstige Körperschaften und Anstalten.

Die Verwirklichung des Verfassungsgebots der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist auch eine kommunale Aufgabe. Die Gemeinden sowie Stadt- und Landkreise wirken auf die Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen in allen kommunalen Bereichen, insbesondere in Beruf, öffentlichem Leben, Bildung und Ausbildung, Familie sowie in den Bereichen der sozialen Sicherheit hin. Sie stellen durch geeignete Maßnahmen sicher, dass Frauen gefördert und gestärkt werden und Chancengleichheit als durchgängiges Leitprinzip in allen kommunalen Aufgabenbereichen berücksichtigt sowie inhaltlich und fachlich begleitet wird. (§ 24 ChancenG).

In jedem Stadt- und Landkreis sowie in Gemeinden mit einer Einwohnerzahl ab 50 000 ist eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen, die die Frauenförderung und gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern wahrnimmt. Sie ist in der Ausübung ihrer behördeninternen Aufgaben nicht an Weisungen gebunden (§ 25 ChancenG).

CARE - Sorgearbeit

Who cares?
Diese Frage hat eine interessante Doppelbedeutung. 

Zum einen: Wer kümmert sich, wer trägt Sorge?
Zum anderen aber auch: Wen schert's, wen kümmert's?

Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Baden-Württembergs kümmert’s.

Niemand kommt ohne Sorge und Versorgung von anderen oder für andere aus. Die Betreuung kleiner Kinder, die Pflege älterer Menschen, die Versorgung von Kranken, das ehrenamtliche Engagement für Soziales: Sorgearbeit ist überall: Ohne diese kann keine Gesellschaft überleben. Sorgearbeit ist weiterhin vor allem Frauensache. Für ihre qualifizierten und lebenswichtigen Leistungen werden Frauen jedoch nicht angemessen wertgeschätzt. Die systematische Unterbewertung sogenannter frauentypischer Berufe ist mitverantwortlich für die fortdauernde Entgeltdiskriminierung bis hin zur Altersarmut.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit
Die in den Haushalten erbrachte „Produktion“ wird volkswirtschaftlich weiterhin ausgeblendet – zu Unrecht, wie auch das Statistische Bundesamt in seiner sehr detaillierten Zeitverwendungsstudie aus dem Jahre 2003 feststellte. Die Bruttowertschöpfung in Haushalten entsprach im Jahre 2001 laut Statistischem Bundesamt in etwa der Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie (ohne Baugewerbe). Der Wert der in Haushalten erbrachten unbezahlten Arbeit wird (bei einem angenommenen Nettolohn von 6 € pro Stunden) auf 684Mrd. € geschätzt.

In den Informationen zum Thema Zeitverwendung „Wie die Zeit vergeht - Ergebnisse zur Zeitverwendung in Deutschland“ des Statistischen Bundesamts aus den Jahren 2012/2013 geht hervor, dass Menschen ab 18 Jahre in Deutschland pro Woche durchschnittlich gut 45 Stunden Arbeit leisten. Darunter fällt mit 20,5 Stunden die Erwerbsarbeit einschließlich Arbeitssuche und Wegen zur Arbeit.
Den größeren Anteil macht jedoch mit 24,5 Stunden die unbezahlte Arbeit aus. Diese umfasst neben Tätigkeiten der Haushaltsführung wie Kochen, Waschen, Einkaufen und Gartenarbeit auch die Betreuung und Pflege von Kindern und anderen Haushaltsmitgliedern sowie ehrenamtliches oder freiwilliges Engagement und Unterstützung für Personen, die nicht im Haushalt leben. 

Frauen arbeiten gut 1 Stunde mehr als Männer und übernehmen einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Sorgearbeit

Frauen ab 18 Jahre arbeiten mit rund 45,5 Stunden in der Woche nach wie vor länger als Männer (44,5 Stunden). Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung 2001/2002 hat sich der Unterschied zwischen Frauen und Männern leicht vergrößert. Die unbezahlte Arbeit hat bei den Frauen einen fast doppelt so hohen Anteil am gesamten Pensum wie die bezahlte Arbeit. Der Anteil der unbezahlten Arbeit ist allerdings bei beiden Geschlechtern leicht gesunken.

Frauen verdienen mehr!
Mit einer Aktion auf dem Stuttgarter Schlossplatz am 20. Juli 2016 setzte die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ein erstes Zeichen. Landesweit wird das Thema CARE in der Folge in den einzelnen Kommunen aufgegriffen.

Pressebroschüre "Wie die zeit vergeht - Ergebnisse zur Zeitverwendung in Deutschland 2012 / 2013" des Statistischen Bundesamtes