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Hauptversammlung des Fördervereins für das Stadtarchiv und öffentlicher Vortrag zur Geschichte der Pforzheimer Kaufhäuser

Förderverein startet mit neuem Vorstand gut aufgestellt ins neue Jahr

Kunsthistorikerin Christina Klittich beim Vortrag (Foto: Stadtarchiv)
Der scheidende Vorsitzende des Fördervereins Dr. Thomas Paeffgen (r.) mit seinem Nachfolger Kai Adam (l.), der bei der Hauptversammlung einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde (Foto: Stadtarchiv)

Traditionell im März findet die Hauptversammlung des Fördervereins für das Stadtarchiv Pforzheim statt und traditionell ist ihr ein öffentlicher Vortrag im Stadtarchiv vorgeschaltet. Dieses Jahr informierte Kunsthistorikerin Christina Klittich über die wechselvolle Geschichte der Pforzheimer Warenhäuser. Über 70 Personen nahmen vergangenen Donnerstag das Vortragsangebot zur Konsum- und Wirtschaftsgeschichte Pforzheims mit großem Interesse wahr. Das Aufkommen von Kaufhäusern um die Wende zum 20. Jahrhundert muss für die damaligen Konsumenten mindestens so reizvoll gewesen sein wie der Online-Handel heute. In Pforzheim eröffnete 1890 eine Filiale der Firma Wronker als erstes Warenhaus der Stadt; es wurde 1931 vom Schocken-Konzern übernommen. Das Kaufhaus Knopf wurde zum schärfsten Konkurrenten in Pforzheim; 1928 gesellte sich Woolworth hinzu. Spannend wusste Christina Klittich von den Sonderangeboten und -aktionen zu berichten, mit denen die Warenhäuser um Kunden warben, und zeigte Bildmaterial aus dem Inneren der Geschäfte mit prachtvoll inszenierten Waren. Wie im Brennglas wurde am Beispiel der oftmals von jüdischen Betreibern geführten Kaufhäuser die Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der Pforzheimer Juden in der Zeit des Nationalsozialismus nachvollziehbar, die sich u. a. mit dem sog. Boykottsamstag gegen jüdische Geschäfte 1933 sowie den Arisierungen bspw. von Schocken im Jahre 1938 vor aller Augen vollzog. Ein Ausblick auf den Wiederaufbau und die Wirtschaftswunderzeit rundete den fundierten und anschaulich präsentierten Vortrag ab.

In etwas kleinerem Kreis schloss sich an den Vortrag die Hauptversammlung des Fördervereins für das Stadtarchiv an. Der Vorsitzende Dr. Thomas Paeffgen zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit, die an diesem Tage endete. Ein zentrales Anliegen war dem Vereinsvorstandes die Erhöhung der Mitgliederzahl, etwa durch die Herausgabe einen neuen Flyers über die Präsenz bei öffentlichen Veranstaltungen im Stadtarchiv - etwa beim „Tag der Archive“ oder der Verleihung des Simler- und Gotheinpreises - bis zur Neufassung des Internetauftritts Vereins. Denn nur mit einer soliden Mitgliederbasis kann die Unterstützung des Stadtarchivs in Bereichen, in denen die städtischen Mittel nicht ausreichen, zuverlässig erfüllen. Das galt für diverse Anschaffungen von Ausstattungsgegenständen für die Archivräume genauso wie auch für Druckkostenzuschüsse, etwa bei der Herausgabe von Tony Reddings Buch „Der totale Krieg und die Zerstörung von Pforzheim“. Der Vorstand dankte dem scheidenenden Voristzenden für sein erfolgreiches Engagement. Bei der anschließenden Neuwahl wurde Kai Adam, Rektor des Reuchlin-Gymnasiums, zum neuen Vorsitzenden gewählt, der Schriftführer und eine Beisitzerin wurden ebenfalls neu gewählt, alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden im Amt bestätigt. Abschließend sprach Archivleiterin Dr. Klara Deecke dem Vorstand und namentlich Dr. Paeffgen den Dank des Stadtarchivs für die Unterstützung aus. Sie zeigte sich erfreut, dass es trotz der personellen Veränderungen gelungen ist, die vakanten Positionen in geeigneter Weise wiederzubesetzen. Der neue Vorsitzende Kai Adam ist als Schulleiter bereits über die Archivpädagogik mit dem Stadtarchiv verbunden, zugleich darüber hinaus gut in der Bildungs- und Kulturlandschaft der Stadt vernetzt: ideale Voraussetzungen für den Vorsitzenden des Fördervereins. Die vergangene Hauptversammlung bietet demnach allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Gewiss werden auch die kommenden Jahre ausreichend Gelegenheit bieten, um das Stadtarchiv etwa bei Publikationen zu unterstützen, gemeinsame öffentlichkeitswirksame Kooperationsveranstaltungen auf die Beine zu stellen und für die Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte gerade auch bei jungen Menschen Interesse zu wecken.

Wer sich über die Vereinsarbeit informieren möchte oder eine Mitgliedschaft erwägt, findet auf den Seiten des Fördervereins alle notwendigen Informationen.